Paul Cezanne Die Kartenspieler, 1890 bis 1895
Öl auf Leinwand, 47,5 x 57,0 cm
Paris, Musée d´Orsay

In der Zeit von 1890 bis 1895 hat Paul Cezanne das Motiv der Kartenspieler in fünf Fassungen gemalt.
Entgegen seiner sonst üblichen Arbeitsweise hat er hier eine feste Gesamtvorstellung weiterverfolgt und konzentriert. Die Fassung im Louvre ist die letzte dieses Themas und zeigt nur noch zwei von ursprünglich fünf Kartenspielern. Diese neue Konzentration des Motivs begründet aber gerade eine feierliche, fast monumentale Würde, die weit über das geläufige Genrethema (etwa bei Mathieu le Nain) hinausführt. In aufmerksamer, ja andächtiger Pose, sitzen sich die beiden Kartenspieler gegenüber. Ringsherum scheint die übrige Welt an Bedeutung verloren zu haben. Nur schemenhaft, wie ein Traumgebilde, erscheint die umgebende Landschaft in dem fest den Bildachsen eingefügten Fensterausschnitt. Alles ist konzentriert auf die (zu erwartenden) Bewegungen der Kartenspieler. Doch deutet nichts im Bild auf eine sich vollziehende Handlung, auf ein tatsächlich eintretendes Ereignis hin. Alles atmet die dem Alltagsgeschehen enthobene Stille und Ruhe, die Cezannes Spätwerk auszeichnet.

Diese ruhige Ausstrahlung des Bildes wird durch die stabile, fast achsensymmetrische Komposition verstärkt. Die leicht verschobene Bildachse wird durch die zwischen den Spielern stehende Flasche bezeichnet, die die gesamte Bildkomposition durch harmonisch austarierte Achsenzüge und den sich dazu öffnenden Winkel der Figuren ausbalanciert. In diesen ausgewogenen Bildraum hat Cezanne mit feiner Beobachtung die psychologischen Kontraste der Spieler eingebracht: das kühle Abwägen des beschatteten linken Mannes mit dem steil aufragenden Hut, das warme, offene Gesicht des stärker engagierten rechten Mannes mit dem weichen Hut und der aufgeklappten Krempe. Auch die Farbigkeit entspricht den angedeuteten psychologischen Kontrasten: Aus dem Grundkontrast Violett-Gelb entwickelt Cezanne eine ganze Skala feiner Abstufungen bis zum neutralen Grau, hinterfangen und gesteigert durch warme Braun-Rot-Töne. In dieser Bildserie scheint Cezanne das gespannte Verhältnis zu seinem Vater verarbeitet zu haben. Hass und Wut über die finanzielle Abhängigkeit sind einem entspannten Verständnis gewichen. Der selbstverständliche Ernst der Spieler soll auf die neu errungene Selbstständigkeit als Maler hinweisen.

 

Friedrich II. – Missbrauch eines Mythos – Richard von Weizäcker

7,50