„Monets optischen Experimente überschritten leichtfüßig alle bisherigen Grenzen. Es war seine Idee, immer wieder dasselbe Motiv aus wechselnden Blickrichtungen, im sich wandelnden Licht und unter verschiedenen klimatischen Bedingungen darzustellen. 1877 nahm sich Monet ein brandneues Sujets vor, welches das Leben der Menschen zu Beginn des neuen Jahrhunderts zweifellos völlig veränderte – die Eisenbahn. Er malte eine ganze Serie herrlicher Bilder im Bahnhof St. Lazare und schaffte es, den Bahnhofsvorsteher davon zu überzeugen, dass er eine gefeierte Salonberühmtheit war.“

„Renoir erinnert sich: „Die Züge wurden angehalten, die Bahnsteige gereinigt und die Lokomotiven mit Kohle vollgestopft, damit sie so rauchten, wie Monet es wünschte.“ Den quellenden Dampf der Lokomotive unter der Brücke stellte er rauchblau dar. Auf dem Bild „Le Pont d’Europe“ erhaschen wir durch den wabernden Rauch einen Blick auf die Rue de Rome und auf Les Batignolles. Monet hat das eher unansehnliche Motiv eines Handelsdepots gemalt wie eine liebliche Landschaft in der Normandie. Bis zu jenem Zeitpunkt galt die Architektur der Schwerindustrie keinesfalls als Objekt für die schönen Künste. Monet setzte mit diesem Gemälde einen Präzedenzfall.“

CLAUDE MONET, Bahnhof St. Lazare, 1877
Leinwand, 75 × 104 cm, Paris, Musée d’Orsay

CLAUDE MONET, Bahnhof St. Lazare, Le pont de l’Europe, 1877
Leinwand, 64 × 80 cm, Paris, Musée Marmottan

Auszug aus dem eBook:

Friedrich II. – Missbrauch eines Mythos – Richard von Weizäcker

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